Veröffentlichte Arbeiten

Abraham und das große Opfer - Ein Textvergleich zwischen Bibel, Qur'an und Überlieferungen

Link: https://i.pinimg.com/originals/cd/b3/76/cdb37687719634a59d2f8ee6a7b5ff45.jpg
Persische Miniatur: Abraham will seinen Sohn opfern, der Engel erscheint um seinen Sohn durch einen Widder abzulösen. Link: https://i.pinimg.com/originals/cd/b3/76/cdb37687719634a59d2f8ee6a7b5ff45.jpg

 

بِسْمِ اللَّـهِ الرَّحْمَـٰنِ الرَّحِيمِ

 

Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen!

 

Wir berichten dir die schönsten Geschichten dadurch, daß Wir dir diesen Qur'an (als Offenbarung) eingegeben haben, obgleich du zuvor wahrlich zu den Unachtsamen gehörtest. (Sure 12:3)

 

Keine Person vereint Juden, Christen und Muslime mehr als Abraham, der Vater der drei größ-ten monotheistischen Religionen. Zum einen verbindet die Tatsache, dass Abraham als Pro-phet und gemeinsamer Vorfahre, von den Religionen (Judentum, Christentum und Islam) an-erkannt wird. Zum anderen besteht jedoch Konfliktpotential in seiner Geschichte. Das was oft für Gesprächsstoff zwischen den drei Religionen sorgt, ist die Geschichte der Opferung des geliebten Sohnes. Dieser Moment in der Geschichte wird als Identifikationsmoment bei Juden, Christen und Muslimen betrachtet. Während die Juden und Christen ihre Daseinsberechtigung darin sehen, dass Isaak geopfert werden sollte, argumentieren Muslime damit, dass Ismael dazu bestimmt gewesen sei, geopfert zu werden. Doch selbst unter muslimischen Propheten-erzählern, gibt es interessanterweise keine Einigkeit, wer nun wirklich für die Opferung in Frage kam. Doch ist das tatsächlich wichtig, welcher Sohn geopfert werden sollte? Zeigt uns die Ge-schichte nicht eine andere, eine tiefere Botschaft, um diesen Konflikt zu lösen. Vor diesem Hintergrund möchte ich diese Fragen näher erarbeiten und mithilfe der Heiligen Schriften der drei Religionen (Bibel und Koran), den Prophetenerzählungen und Legenden, in einen Textdialog treten. Im Rahmen dieser Arbeit wird die Geschichte Abrahams analysiert und sowohl Gemeinsamkeiten, als auch unterschiedliche Sichtweisen dargelegt.

 

 

Kommentare: 0

Bilder im Islam - Die Darstellungen der Propheten in den Qisas al-Anbiya (Geschichten der Propheten)

Persische Miniatur: Moses erhält die Thora vom Engel. Link: https://digitalcollections.nypl.org/items/89025bee-b376-52d6-e040-e00a18065dcc
Persische Miniatur: Moses erhält die Thora vom Engel. Link: https://digitalcollections.nypl.org/items/89025bee-b376-52d6-e040-e00a18065dcc

 

Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.

 

Der hier vorliegende Text behandelt die Thematik, Bilder im Islam, im speziellen die bildlichen Darstellungen von Propheten, welche oft in persischen und osmanischen Miniaturen vorkommen. Das Thema ist unter Muslimen sehr umstritten. Die islamischen Quellen bieten Spielraum für Interpretationen, die ein Bilderverbot bekräftigen aber auch die Darstellungen legitimieren. Dies werde ich im Kapitel, indem es um die theologischen Ansätze geht, näher erläutern. Im Weitern verlauf gehe ich sowohl auf die Überlieferungen des Propheten Muhammad, welche oft von Kritikern für ein Bilderverbot genutzt werden, als auch auf einen Vers, welcher von Befürwortern genutzt wird, um das Bilderverbot auszuhebeln, ein. Ferner stelle ich die verschiedenen Interpretationen von muslimischen Exegeten dar und gehe auf einige Bücher der Literaturgattung Qiṣaṣ al-anbiyā1 ein. Dabei zähle ich ein paar Besonderheiten auf, bevor ich dann im letzten Punkt auf die bildlichen Darstellungen der Propheten in den persischen und osmanischen Miniaturen eingehe. 

 

 

Kommentare: 0

Rede anlässlich der Interreligiösen Silvesterfeier 2018

Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.

 

Sprich: «Ihr Buchbesitzer! Kommt her zu einem Wort zwischen uns und euch auf gleicher Basis! Dass wir keinem dienen außer Gott, dass wir ihm nichts beigesellen und dass wir uns nicht untereinander zu Herren nehmen neben Gott.» Und wenn sie sich abwenden, sprecht: «Bezeugt, dass wir ergeben sind!» (Sure 3:64)


Was bedeutet für mich der interreligiöse Dialog? Worin sehe ich den Sinn eines Dialogs der Religionen? Ist das nur ein Kuschelkurs unter religiösen Menschen? Ist es die ausschließliche Suche nach Gemeinsamkeiten ohne Unterschiede, oder ist ein Dialog dazu gedacht, eben auch meine Glaubenswelt dem anderen zu erklären was sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede beinhaltet?

 

Letzteres scheint mir am nächsten. Denn Dialog bedeutet eben nicht nur ausschließlich nach Gemeinsamkeiten zu suchen, sondern eben auch die Unterschiede klar zu definieren. Dialog ist aber auch offen gegenüber den religiös anderen zu sein, denn nicht jedes religiöse Zusammentreffen kann wirklich den Namen „Dialog“ tragen.
Eine Leitfigur des Interreligiösen Dialogs Prof. Dr. Abduljavad Falaturi schriebt in seinem Buch „Dialog im Islam“ dazu folgendes:

 

„Nicht Religionen sind es, die miteinander Gespräche führen, sondern Religionskundige, die über die Religionen im Zwiegespräch stehen. Aber auch nicht jedes Zwiegespräch verdient, Dialog genannt zu werden. Bestimmte Phänomene aus dem Kontext verschiedener Religionen herauszugreifen und miteinander zu vergleichen – wie dies in der Vergleichenden Religionswissenschaft geschieht – ist längst kein Dialog. Das kann auch ein Religionskundiger tun, der überhaupt keiner Religion angehört.

 

Ein lebendiger, weiterführender Dialog kann ausschließlich dort stattfinden, wo jeder der Gesprächspartner aus Überzeugung und Verantwortung seine Religion vertritt. Dennoch kann nicht jedes Gespräch, unter solchen Gesprächspartnern, den fruchtbaren Dialog verkörpern.

 

Aus islamisch-koranischer Sicht, verstärkt durch meine langjährigen Erfahrungen, erhält nur dasjenige Zwiegespräch den Dialogcharakter, bei dem zwei Komponenten gewährleistet sind: Zum einen hat sich jeder der Dialogpartner, durch die ganze Begegnungszeit hindurch, darum zu bemühen, den anderen annähernd so zu verstehen und zu begreifen, wie er sich selbst versteht und wie er seine eigene Religiosität empfindet. Zum anderen hat jeder Dialogpartner zu versuchen, sich insofern in die Lage des anderen zu versetzen, als er sich stets zum Ziel setzt, von dem anderen so verstanden und nachempfunden zu werden, wie er sich in seinem eigenen religiösen Bewusstsein begreift.

 

Jeder muss sich also dem anderen offenbaren können, und zwar nicht rein theoretisch; entscheidend ist dabei die Intensität der Pflege der eigenen Religion bzw. des eigenen Glaubens. Diese Begriffsbestimmung impliziert die für einen erfolgreichen Dialog notwendigen Bedingungen und Voraussetzungen.“

 

Für mich als Muslim ist es daher wichtig zu bekunden, dass ich mit Gläubigen anderen Religionen zwar vieles gemeinsam habe, aber dennoch unterscheidet uns auch einiges.
Früher dachte ich anders:

 

Damals als ich mein Studium an der Universität Hamburg antrat und an der Akademie der Weltreligionen den Masterstudiengang „Religionen, Dialog und Bildung“ studierte, war die Euphorie sehr groß und der Ehrgeiz die Gemeinsamkeiten zwischen Islam und dem religiös anderen zu erforschen. Doch mein jüdischer Dozent Prof. Dr. Ephraim Meir, den ich für seine weisen Worte sehr dankbar bin sagte mir:

 

„Samir, ich finde es lobenswert, dass du versuchst Gemeinsamkeiten zwischen den Religionen zu erforschen. Doch bedenke, dass wir auch unsere Unterschiede haben, die uns ausmachen.“

 

Diese Unterschiede liegen in den Wegen und Gesetzen, die Gott jeder religiösen Weltanschauungen mitgegeben hat. Im Koran lesen wir:

 

„…Für einen jeden von euch haben wir Bahn und Weg gemacht. Hätte Gott gewollt, er hätte euch zu einer einzigen Gemeinde gemacht – doch wollte er euch mit dem prüfen, was er euch gab. Wetteifert darum um das Gute! Euer aller Rückkehr ist zu Gott, er wird euch dann kundtun, worin ihr immer wieder uneins wart.“ (Sure 5:48)

 

Interreligiöser Dialog bedeutet deswegen für mich Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausfinden.

 

Dass Gott uns unterschiedlich machte ist daher sein eigener Wille gewesen, wie es auch in einem anderen Vers heißt:

 

„Ihr Menschen! Siehe, wir erschufen euch als Mann und Frau und machten euch zu Völkern und zu Stämmen, damit ihr einander kennenlernt. Siehe, der gilt bei Gott als edelster von euch, der Gott am meisten fürchtet. Siehe, Gott ist wissend, kundig.“ (Sure 49:13)

 

In einer Überlieferung berichtet in der kanonischen Sammlung des Gelehrten Al-Bukhari sagte der Prophet (Friede und Segen seien auf ihm):

 

„Die Seelen sind wir rekrutierte Truppen: Diejenigen welche sich kennenlernen haben eine bessere Beziehung zu einander und entwickeln ein besseres Verständnis füreinander. Diejenigen die jedoch einander Fremd sind, sind eher geneigt sich zu streiten.“

 

Interreligiöser Dialog bedeutet für mich auch sich kennenzulernen, um mein Gegenüber besser zu verstehen.

 

Der Prophet Muhammad (a.s.s.) sagte in einer weiteren Überlieferung:

 

„Ihr werdet nicht in den Himmel eingehen solange ihr nicht glaubt, und ihr werdet niemals den Glauben erlangen bis ihr Euch einander liebt. Soll ich euch nicht etwas mitteilen, dass wenn ihr es tut, so wird die Liebe zwischen Euch wachsen? Verbreitet einander den Frieden.“

 

Interreligiöser Dialog bedeutet für mich demnach auch Frieden zu verbreiten um Liebe wachsen zu lassen.

Kommentare: 0